KOMAGIRL: Eine tägliche Serie

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Man erfährt so einiges, wenn die Leute glauben, dass man nicht zuhört …

Vorwort

Seit ich mich erinnern kann, leide ich unter Schlaflosigkeit. Ich war schon immer eine Nachteule und ein Morgenmensch, komme aus mit fünf, vielleicht sechs Stunden zusammengewürfeltem Schlaf zwischen Anfällen von Rastlosigkeit. Im Nachhinein ist mir klar geworden, dass ich es mein ganzes Leben lang irgendwie gehasst habe, schlafen zu müssen. Ich schätze, auf irgendeiner unbewussten Ebene hatte ich wohl Angst, dass ich etwas Wichtiges oder Aufregendes oder Unwiederbringliches verpassen könnte. Was meine derzeitige Zwickmühle umso ironischer macht.

Ich befinde mich in einem tiefen vegetativen Zustand … besser bekannt als Koma.

Andere Leute bezeichnen meine Situation als „traurig“, „herzzerreißend“, … sogar „tragisch“. Ich finde all die Aufmerksamkeit eher seltsam, wenn ich darüber nachdenke, dass ich, bevor ich in Bett 3 der Langzeitpflegestation des Brady Hospitals in Atlanta, Georgia, gelandet bin, das Mädchen war, dem niemand viel Beachtung geschenkt hat. Ich war das mittlere Kind – mittelhübsch, mittelschlau, mittelerfolgreich mit einer mittelmäßigen Persönlichkeit in einem mittelmäßigen Job bei einer mittelmäßigen Firma. Mein Name ist Marigold Kemp, aber dieser Tage werde ich meistens Komagirl genannt. Offenbar habe ich sowas wie eine Fangemeinde. Ich bin ein Trend in den sozialen Medien. Ich habe meinen eigenen Hashtag.

Da es so aussieht, dass ich eine Weile hierbleiben werde, dachte ich, ich könnte auch gleich anfangen, meine Geschichte zu erzählen; es hat ein paar Drehungen und Wendungen gegeben, was die Art und Weise betrifft, wie ich hier hergekommen bin, und es kommen zweifellos noch ein paar. Die Liste der Vorteile davon, im Koma zu liegen, ist ziemlich verdammt kurz, aber wenn ich sagen müsste, was das Beste daran ist, dann, dass man viel erfahren kann, wenn die Leute glauben, dass man nicht zuhört. Ich bin als Horcherin nicht zu übertreffen, und Kumpel, sollte ich je aufwachen, dann werde ich in einem Buch so richtig auspacken.

In der Zwischenzeit erzähle ich es schon mal dir.


Die tägliche Serie Komagirl läuft vom 1. Juli bis 31.Dezember.  Die täglichen Episoden nur für 24 Stunden verfügbar also Merker setzen auf Deinem Handy, Computer oder Memo-board um täglich kostenlos bei Komagirl auf dem Laufenden zu bleiben.


Freitag, 22. September

„Ich kann nicht lang bleiben“, sagte Roberta. „Ich bin nur vorbeigekommen, um dir etwas Post vorzulesen ‑ wir werden schon wieder überschwemmt. Ich schätze, wirklich jeder hat deine Geschichte im Fernsehen gesehen.“

Sie riss den ersten Umschlag auf. „Liebes Komagirl, du wirst in einem Höllenloch brennen ‑ wart mal, der hier ist nicht sehr nett.“

Ein sattes Reißgeräusch erfüllt die Luft.

„Und tschüss, unheimlicher Jesus-Freak“, sang sie.

Sie riss einen weiteren Umschlag auf. „Lass mal sehen, Komagirl, bla, bla, bla … vom Teufel gezeugter Bastard … okay, tschüss.“

Ein weiteres beherztes Reißen war zu hören.

„Was stimmt nicht mit den Leuten?“

Sie riss einen dritten auf. „Okay, hier haben wir einen normalen Menschen … Liebes Komagirl, ich habe deine Geschichte auf The Doctors gehört und … nein, wart mal ‑ diese Tante will dir dein Baby für dreihundert Dollar abkaufen. Tschüss. Oh, wart mal ‑ sie hat eine Anzahlung von zehn Dollar geschickt. Das werden wir behalten.“ Sie stieß einen Seufzer aus. „Ich öffne nicht gerne deine Post, Marigold, aber vielleicht sollte ich sie zuhause durchgehen und die Perverslinge, Spinner und Teufelsanbeter raussortieren. Was meinst du?“

Ich finde, das klingt gut.

„Übrigens hab ich mit meiner Detektivarbeit angefangen. Ich hab in deinem Büro angerufen und deinem Chef erzählt, dass ich eine San Antonio Spurs-Kappe in der Wohnung gefunden habe und ob sie jemandem dort gehört? Ich muss sagen, ich war sehr erleichtert, als Mr. Palmer keinen Anspruch darauf erhoben hat. Er sagte, er würde im Büro herumfragen und mich zurückrufen.“

Dann räusperte sie sich. „Marigold, mir ist sogar in den Sinn gekommen, dass es Duncan sein könnte, obwohl ihr beiden meines Wissens nie miteinander gepoppt habt. Aber nur für den Fall habe ich heute Morgen seine Nummer aus der Tortenbestellung rausgesucht und angerufen.“

Ich sitze auf Kohlen. Ich will wissen, was er gesagt hat, aber ich will nicht wissen, was er gesagt hat. Ich brauche Gewissheit, aber ich will sie nicht.

„Jedenfalls ist seine Verlobte drangegangen. Duncan hat vor über einem Monat die Staaten verlassen, um in Flüchtlingslagern zu arbeiten und wird erst zur Hochzeit wiederkommen. Ich hab mir irgendeine lahme Ausrede zu der Bestellung ausgedacht. Aber da ich sie schon mal am Telefon hatte, hab ich ihr erzählt, jemand hätte eine San Antonio Spurs-Kappe in der Konditorei liegen lassen, und ich hätte mich gefragt, ob sie Duncan gehört. Sie sagte nein, dass Duncan dafür bekannt sei, dass er Profibasketball verachtet.“

Das stimmt, er zieht College-Basketball vor. Er hatte gesagt, es gäbe eine Geschichte zu der Kappe, aber es gab nie einen guten Moment, sie mir zu erzählen, er war zu beschäftigt damit, mich zu schwängern.

„Also hat sich’s damit, Duncan ist nicht der Vater von deinem Kind.“ Sie seufzte. „Ist aber schade, ich wette ihr zwei hättet ansehnliche Kinder. Nicht umwerfend, wohlgemerkt, aber wirklich ansehnlich. Und robust.“

Ohh. Ich hoffe, sie hat Recht.

Also ist Duncan auf Reisen im Ausland. Was bedeutet, er weiß vielleicht nicht, dass ich schwanger bin, oder wenn er es weiß, kann er sich vielleicht nicht bei mir melden.

Frauen tun das ‑ wir überlegen uns Entschuldigungen für unsere Männer … das dämpft den Schmerz.

Denn viel wahrscheinlicher ist das Szenario, dass Duncan das Land verlassen hat, um von mir wegzukommen.

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